Der Markt von Sandaga ist der bekannteste im Senegal und ist für die Senegalesen auch der billigste. Da er im Stadtzentrum von Dakar liegt, ist er allerdings auch ein Magnet für TouristInnen, die entsprechend zahlen, wenn sie die lokalen Preise nicht kennen. Ich war dort auf der Suche nach Stoffen und bin auch fündig geworden. Zumindest für ein Kleidungsstück hab ich den Verkäufer auf den echten Preis heruntergehandelt bekommen. Bei den anderen bin ich mir nicht so sicher. Dennoch war es ein tolles Erlebnis, in der Riesenschneiderei um ein paar Euro zu feilschen. Schneider sind hier vornehmlich Männer. Frauen arbeiten meist ein Stück tiefer an der Herstellung langer Stoffbahnen und werden schlechter bezahlt.

Ich musste oft zwischen der Fremdenpolizei und dem Weltsozialforum auf dem Gelände der Universität pendeln. Nachdem ich die 3 Kilometer in meinen Sandalen oft genug gelaufen war, stieg ich auch mal in den Bus: entweder die kleinen bunten Klitschen, die wie vom großen Dämon verfolgt fahren und in denen 18-20 Leute Platz finden, oder in den großen Linienbussen, in die sich fast 100 Leute quetschen. In einem Linienbus auf dem Weg nach einem äußeren Stadtteil hab ich dann auch mein Telefon verloren. Das Erlebnis mit Fahrkartenkauf und Kontrolleur war es allemal wert. Es ist nur schade um die Nummern.

Die Hotels sind im Winter gähnend leer. Die Preise sind locker vergleichbar mit europäischen Hotels, es sei denn, man freundet sich mit einer Pension abseits des Strandes an. In diesem Fall zahlst du einen Jugendherbergspreis. Momentan wollen viele junge senegalesische InformatikerInnen Touristikportale im Internet entwickeln. Ich bin gespannt, ob sie damit ihren Lebensunterhalt verdienen können.
Das Weltsozialforum in Dakar endete gestern. Da ich es nicht geschafft hatte, eine Akkreditierung zu bekommen, lief ich dort halt ohne Pappschild um den Hals durch die Gegend. Das machte keinen Unterschied. Einen kleinen Eindruck habe ich bekommen, wer sich bei solch einem Forum so alles tummelt. Da waren die Vietnamesen mit ihren Ho-Chi-Minh-Bildern, die deutschen Stiftungen wie Friedrich Ebert oder Rosa Luxemburg, die ihre Propaganda auch in Westafrika auf der Straße verteilen, die Viva-viva-viva-rufenden LateinamerikanerInnen aus Bolivien und Venezuela und sogar die Sekte um Wunderheiler Bruno Gröning belaberte ihre nichts-ahnenden Standgäste.
Dennoch gab es auch dort viele progressive Gruppen, etwa Netzwerke lokaler Radios oder internationale NGOs, die zu Migration arbeiten und ihre nächsten Aktionsschritte diskutieren. Allgemein ein richtiges Forum. Es kann jedeR kommen und es gibt weltweiten Austausch ohne irgendeine Limitierung der Thematik. Eines der großen Themen war jedoch die Lösung der Nahrungsfrage für 9 Milliarden Menschen, die 2050 die Erde bevölkern werden, und den damit verbundenen notwendigen Gesellschaftswandel. Einer von vielen Links zum Thema

Den letzten Abend trank ich noch ein Bier in einer Kneipe namens just4you. Das Bier kostete fast 4 Euro, die ganzen Leute vom Forum kamen über die Straße gelaufen und stellten sich gern gegenseitig mit breitem Grinsen vor. Rita: „Bonsoir, Rita.“ --- John: „Hello, John!“ Ich verabscheue den Begriff Gutmenschen, aber manchmal passt er wunderbar.
Didier Awadi spielte dort für 4-5 Euro, leider musste ich schon vorher los.



